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Zeitschrift für Sozialpsychologie, Nr. 4, 1998


Interaktionsstrukturen in homogenen und heterogenen Problemlösegruppen
Interaction Structures in Homogeneous and Heterogeneous Problem-Solving Groups

B. Orth & D. Beck

Universität Hamburg und Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer

(Summary)

Zusammenfassung

Anknüpfend an Studien über Muster in den sozialen Interaktionen zwischen Mitgliedern von Problemlöse- und Entscheidungsgruppen in den fünfziger Jahren wird mit der Monotonen Netzwerkanalyse (MONA) eine Methode vorgestellt, die die Häufigkeiten der Interaktionen zwischen Mitgliedern einer Gruppe als Netzwerk abbilden kann. Reanalysen von Wer-zu-wem-Matrizen früherer Studien über Interaktionsmuster in Gruppen zeigen, daß diese sich meist durch ein sternförmiges Interaktionsnetzwerk darstellen lassen. Die Interaktionen sind dabei auf eine zentrale Person hin ausgerichtet, die am meisten Akte sendet und erhält. Während sich die früheren Studien auf homogene Kleingruppen beziehen, werden in einer eigenen Studie heterogene Kleingruppen untersucht, bei denen in einer Planungskommission zwei Drei-Personen-Teams an einer komplexen Aufgabe aus dem Bereich der Stadtplanung zusammenwirken. In der ersten Versuchsbedingung waren vier Kommissionen mit zwei Planungsteams ähnlicher Ausrichtung besetzt. In der zweiten Bedingung wurden vier Kommissionen aus Teams unterschiedlicher Ausrichtung gebildet. Für die jeweils zwischen den Akteuren ausgetauschten Akte finden sich für die Kommissionen mit Teams ähnlicher Ausrichtung wie in den homogenen Kleingruppen sternförmige Netzwerke. Demgegenüber ergeben sich für die mit Teams unterschiedlicher Ausrichtung zusammengesetzten Komissionen kronenförmige Netzwerke, bei denen die Interaktionen zwischen den Vertretern der verschiedenen Gruppen dominieren. Die gleichen Ergebnisse gelten für die Analyse qualitativer Verhaltensaspekte wie z.B. Einflußnahme und Offenheit. Demgegenüber weisen MONA-Auswertungen der wechselseitigen Wahrnehmungen der Kommissionsmitglieder für die einzelnen Verhaltensaspekte stets eine sternförmige Struktur auf. Implikationen für die Zusammensetzung und die Dynamik von Problemlöse- und Entscheidungsgruppen werden diskutiert.

Summary

In the tradition of studies on communication channels in small groups a method called Monotonic Network Analysis (MONA) is presented which allows the representation of interaction frequencies between group members within an interaction network. Reanalysis of who-to-whom matrices from former studies on interaction structures in small groups show that these can be mostly represented as star networks. Thus social interaction is focused on one central group member which is sending and also receiving most acts. Whereas these former studies concentrated on homogeneous small groups without subgroups, in an own study the interaction is analyzed for heterogeneous groups. A committee consisting of two cooperating three-person-teams had to work on a complex planning task in town development. In one condition four committees were composed of two teams representing similar orientations concerning town development. In the other condition social interaction was analyzed in four committees consisting of teams with different orientations. In the committees with teams having similar orientations the interaction frequencies between the members can be represented as in the homogeneous groups by a star structure. The committees with teams of different orientation however show a crown structure with a focus on intergroup interaction between the members of the different teams. The same results are also found for qualitative aspects of interaction e.g. for dominant and friendly behavior. The Monotonic Network Analysis for the interpersonal perceptions of the commmitee members' behavior however resulted in a star structure for both conditions. Implications for the composition and dynamics of problem-solving and decision-making groups are discussed.

Keywords

problem-solving groups, decision-making groups, interaction structures, networks, Monotonic Network Analysis (MONA)

Zeitschrift für Sozialpsychologie 1998; 4; 275-290; Hans Huber AG, Bern


Zum Umgang mit dyadischen Daten:Neue Methoden für die Sozialpsychologie
Dyadic data analysis: New methods for social psychology

F.J. Neyer

Humboldt-Universität zu Berlin

(Summary)

Zusammenfassung

Es werden neue Methoden zur Modellierung dyadischer Daten vorgestellt. Das paarweise dyadische Modell und das paarweise latente Variablen-Modell von Griffin und Gonzalez (1995) ermöglichen auf der Basis eines Korrelationsansatzes die Modellierung dyadischer Interdependenz und die Analyse latenter dyadischer und individueller Korrelationen. Inhaltlich werden dadurch Unterschiede zwischen Dyaden von Unterschieden zwischen Individuen getrennt. Dagegen erlaubt das Partnereffekt-Modell von Kenny (1996) auf der Basis eines Regressionsansatzes die Prüfung von Akteur-, Partner- und Reziprozitätseffekten, mit denen die Merkmale sowohl des einzelnen wie seines Partners unabhängig vorhergesagt werden können. Diese Effekte lassen sich im Sinne voneinander unabhängiger Einflüsse zwischen zwei Beziehungspartnern interpretieren. Am Beispiel von 83 älteren ein- und zweieiigen Zwillingspaaren wurde exemplarisch für den Fall von Dyaden mit nicht-unterscheidbaren Mitgliedern die Interdependenz von Bindungsstilen analysiert. Für den Fall von Dyaden mit unterscheidbaren Mitgliedern wurde am Beispiel 214 junger heterosexueller Paare die wechselseitige Interdependenz dieser Bindungsstile untersucht.

Summary

New methods for the analysis of dyadic data are presented by using data of exchangeable and distinguishable dyads. Based on a correlational approach, the pairwise dyadic model and the pairwise latent variable model by Griffin and Gonzalez (1995) provide estimates of dyadic non-independence and the underlying dyadic-level and individual-level correlations between attributes of dyad members. In contrast, the partner-effect model developed by Kenny (1996) is based on a regression model and provides estimates of actor, partner, and reciprocity effects. These effects can be interpreted as independent influences between dyad members. For the exchangeable case, dyads of 83 older MZ and DZ twins were used to demonstrate the interdependence of attachment styles. For the distinguishable case, dyads of 214 younger heterosexual couples were used to show interdependence between attachment styles of romantic partners.

Keywords

dyadic data, interdependence, interpersonal relationship, attachment styles

Zeitschrift für Sozialpsychologie 1998; 4; 291-306; Hans Huber AG, Bern


Widerspiegelungen der Sozialpsychologie in der Zeitschrift für Sozialpsychologie: Bekannte Regeln – kristallisiert im Koautorschaftsnetzwerk
Reflections of Social Psychology in the Journal Zeitschrift für Sozialpsychologie

H. Kretschmer

Institut für Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie und Methoden der Psychologie, Freie Universität Berlin

(Summary)

Zusammenfassung

In der Literatur wird über eine Reihe von empirischen Befunden berichtet, die belegen, daß soziale Beziehungen im allgemeinen überzufällig häufig zwischen ähnlichen Personen entstehen (Gleich und Gleich gesellt sich gern). Mit zunehmender Distanz verringert sich die Präferenz zwischen den Personen. Dabei kann sich die Ähnlichkeit auf verschiedene Eigenschaften beziehen. In der vorliegenden Untersuchung wird gezeigt, daß die Zahl der Publikationen der Autoren der Zeitschrift für Sozialpsychologie im Zeitraum von 1970–1993 eine solche Eigenschaft ist. Dabei entspricht die Distanz zwischen den Autoren dem Logarithmus der Zahl der Publikationen. Die relative Häufigkeit der beobachteten Koautorschaften zwischen Autoren mit i und j Publikationen pro Autor ist eine nicht-lineare Funktion der Differenz zwischen den Logarithmen von i und j. Diese nicht-lineare Funktion ist auch in anderen Koautorschaftsnetzwerken, beispielsweise von Physikern gültig.

Summary

In the literature a number of empirical findings report on the pattern of social relations which in general arise coincidentally more frequently between similar persons (Birds of a feather flock together). But with increasing distance the preference between the persons is diminishing. Here similarity can be predicated on a variety of characteristics. This study is to document that the number of publications of authors that appeared in the Zeitschrift für Sozialpsychologie within the period from 1970 to 1993 has qualified as such a characteristic. In this case the distance between the authors is commensurate with the logarithm of the number of publications. The relative frequency of observed coauthorships between authors with i and j publications per author serves as a non-linear function of the difference between the logarithm of i and j. This non-linear function is also validly applicable to other coauthorship networks such as to physicists.

Keywords

Social interaction, graduated structural parameter, coauthorship network, non-linearity, bibliometrics

Zeitschrift für Sozialpsychologie 1998; 4; 307-324; Hans Huber AG, Bern


Erhalt und Absorption positiver Stimmung bei einfacher und intensiver Bearbeitung einer komplexen Entscheidungsaufgabe
Maintenance and Absorption of Positive Affect by Simple and Intensive, Complex Decision-Making

J.H. Otto

Universität Gesamthochschule Kassel

(Summary)

Zusammenfassung

Der Erhalt positiver Stimmung (mood maintenance) wird als ein wichtiger Faktor des Einflusses positiver Stimmung auf die Informationsverarbeitung angesehen. Sowohl eine einfache als auch eine intensive Aufgabenbearbeitung wird als Hinweis auf den Stimmungserhalt gedeutet. Zwei Experimente testen diese Möglichkeit. Im ersten Experiment wurden 65 Versuchspersonen in einen positiven oder neutralen Gefühlszustand versetzt. Dann traf die Hälfte jeder Gruppe eine komplexe Entscheidung unter aufgaben- oder emotionsrelevantem Verarbeitungsziel, um eine verschieden intensive Verarbeitung auszulösen. Es wurden Indikatoren der Informationsverarbeitung, des Gefühlszustandes und der intrinsischen Motivation erfaßt. Die Ergebnisse zeigen, daß eine einfache Verarbeitung bei Emotionsrelevanz zu einem Erhalt, eine intensive Informationsverarbeitung bei Aufgabenrelevanz dagegen zu einer Absorption positiver Stimmung führt. Das zweite Experiment (N = 60) kann diese Effekte unter Berücksichtigung von möglichen Kontrast- und Aufforderungseffekten replizieren. Als ein Moderator für den Erhalt und die Absorption positiver Stimmung werden stimmungsverändernde Eigenschaften der Aufgabe diskutiert.

Summary

The maintenance of positive mood is an important factor for the effect of positive mood on information processing. Simple as well as intensive processing is taken as evidence for mood maintenance. Two experiments tested this possibility. In the first study a positive or neutral mood was induced in 65 participants. Then, to induce simple or intensive processing, half of each group made a complex decision with a task- or emotion-relevant goal. Measures of information processing, feeling state, and intrinsic motivation were collected. Results showed that simple processing with an emotion-relevant goal led to mood maintenance and intensive information processing with a task-relevant goal led to an absorption of positive mood. Considering possible contrast and demand effects the second experiment (N = 60) replicated the results. Mood-changing properties of the task are discussed as moderating variables for the maintenance and absorption of positive mood.

Keywords

Positive affect, mood maintenance, information processing, decision-making

Zeitschrift für Sozialpsychologie 1998; 4; 325-341; Hans Huber AG, Bern


wwwadmin@huberag.ch Last update: November 23, 1998