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Zeitschrift für Sozialpsychologie, Nr. 1/2, 1997


Das Selbst im Lebenslauf: Brückenschläge und Perspektivenwechsel zwischen entwicklungs- und sozialpsychologischen Zugängen
Developmental and social perspectives on the self: Bridging unnecessary gaps

Ursula M. Staudinger & Werner Greve

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen

(Summary)

Zusammenfassung

Dieser einleitende Beitrag zu dem Themenheft "Das Selbst im Lebenslauf Sozialpsychologische und entwicklungspsychologische Perspektiven" verfolgt die Absicht, einen illustrativen historischen und konzeptuellen Aufriss des Themas zu bieten. Damit soll versucht werden, einen Diskussionskontext für die nachfolgenden sozial- und entwicklungspsychologischen Beiträge und die sich anschliessenden Kommentare von sozial- und entwicklungspsychologischen Experten zu schaffen. Als konzeptuelle Vorverständigung wird eine Ordnung des Forschungsfeldes "Selbst" entlang von drei Dimensionen angeboten: Inhalte Prozesse, kognitiv emotional konativ, bewusst unbewuss. Illustrativ werden sozial- und entwicklungspsychologische Ansätze in der Erforschung des Selbst vorgestellt. Es werden Ähnlichkeiten, Unterschiede und gegenseitige Austausch- und Bereicherungsmöglichkeiten aufgezeigt. Sowohl in Methoden als auch in Theorien könnten der eher aktualgenetisch orientierte sozialpsychologische Ansatz und der eher ontogenetisch orientierte entwicklungspsychologische Ansatz in der Erforschung des Selbst voneinander profitieren.

Schlüsselwörter:

Selbst, Selbstdefinition, Selbstregulation, Aktualgenese, Ontogenese

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 3-18 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

This introduction to the special issue on "Developmental and social perspectives on the self: Bridging unnecessary gaps" is meant to serve as a historical and conceptual working framework. With this framework we hope to provide a basis for the discussion of the following social psychological and developmental papers as well as the commentaries provided by experts from the fields of social and developmental psychology. The proposed conceptual working framework orders the research area "self"; along three dimensions: content process, cognitive emotional conative, conscious unconscious. Similarities, differences and possibilities of productive exchange between social psychological and developmental approaches to the study of the self are suggested. With regard to methods as well as to theoretical conceptions, the rather microgenetically oriented social psychological approach and the rather ontogenetically oriented developmental approach could profit from each other.

Key words:

self, self-definition, self-regulation, microgenesis, ontogenesis

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 3-18 © Verlag Hans Huber, Bern


Reaktionen auf Leistungsbewertungen in Abhängigkeit vom Elaborationsgrad des Selbstbildes und der Motivation zur Veränderung des Selbstbildes
Reactions to achievement evaluations depending on the elaboration of the self-view and the motivation to change the self-view

Dirk Dauenheimer, Dagmar Stahlberg & Lars-Eric Petersen

Universität Mannheim und Universität Halle-Wittenberg

(Summary)

Zusammenfassung

In verschiedenen Studien zur Reaktion auf Rückmeldungen konnte teils die Selbstwerterhöhungstheorie, teils die Selbstkonsistenztheorie bestätigt werden. Shrauger (1975) versuchte, die Kontroverse zwischen den beiden Theorien zu schlichten, indem er folgende Annahmen formulierte: Affektiv reagieren Personen im Sinne der Selbstwerterhöhungstheorie und kognitiv im Sinne der Selbstkonsistenztheorie. Die AutorInnen dieses Artikels gehen davon aus, daß auch der Elaborationsgrad des realen Selbstbildes und die Motivation zur Veränderung des realen Selbstbildes spezifische Bedingungen für eine Reaktion im Sinne der Selbstwerterhöhungs- oder Selbstkonsistenztheorie darstellen. In dieser Studie erhielten die Versuchspersonen positive, konsistente oder negative Rückmeldungen über ihre Ergebnisse in einem Leistungstest. Anschliessend wurde ihre affektive und kognitive Reaktion auf die Rückmeldungen ermittelt. Die affektive und kognitive Reaktion bestätigt die Annahmen von Shrauger. Darüber hinaus wird die Reaktion auf Rückmeldungen aber auch durch den Elaborationsgrad des realen Selbstbildes und die Motivation zur Veränderung des realen Selbstbildes beeinflusst. In hoch elaborierten Bereichen wird das Selbstkonsistenzmotiv stärker aktiviert als in gering elaborierten Bereichen, und in Bereichen mit hoher Motivation wird das Selbstwerterhöhungsmotiv stärker aktiviert als in Bereichen mit geringer Motivation.

Schlüsselwörter:

Selbstkonzept, Selbstwerterhöhung, Selbstkonsistenz, Selbstschema

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 19-29 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

While various studies about reactions towards feedback have confirmed the self-enhancement theory others are in support of the self-consistency theory. Shrauger (1975) tried to reconcile the controversy between the two theories. He postulated that the affective reaction is in line with the self-enhancement theory and the cognitive reaction supports the self-consistency theory. The authors of this paper assume that the elaboration of the real self-view and the motivation to change the real self-view are specific circumstances for a reaction in line with self-enhancement or self-consistency theory. In this study, subjects received positive, consistent or negative feedback on their results in an achievement test. Afterwards the affective and cognitive reactions to the feedback were measured. Subjects' affective and cognitive reactions confirmed Shraugers hypotheses. In addition the reaction to feedback was affected by the elaboration of the real self-view and the motivation to change the real self-view. On highly elaborated self-views, reactions were driven more by the self-consistency motive than on low elaborated self-views and on self-views with high motivation, reactions were affected more by the self-enhancement motive than on self-views with low motivation.

Key words:

self-concept, self-enhancement, self-consistency, self-schema

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 19-29 © Verlag Hans Huber, Bern


Selbstbewertungen und selektive Präferenz für temporale vs. soziale Vergleichsinformation bei alten und sehr alten Menschen
Self-evaluations and selective preference for temporal vs. social comparisons in old age

Sigrun-Heide Filipp, Dieter Ferring, Anne-Kathrin Mayer & Katharina Schmidt

Universität Trier

(Summary)

Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag widmet sich sozialen und temporalen Vergleichsprozessen im hohen und sehr hohen Alter. Bei einer Stichprobe von N = 352 Probanden im Alter zwischen 65 und 94 Jahren) wurden zum einen Selbstbewertungen unter sozial- und temporal-komparativer Perspektive für drei Merkmalsdimensionen erhoben, zum anderen wurden die Virulenz sozialer und temporaler Vergleiche und im Rahmen eines forced choice-Paradigmas die Präferenz für soziale und temporale Vergleichsinformation erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass auf Mittelwertsebene die temporale Vergleichsperspektive zu negativeren Selbstbewertungen führt als die soziale und dass temporale Vergleiche eine höhere Virulenz aufweisen. Gleichzeitig konnte zugleich gemessen an den Verteilungscharakteristika in der untersuchten Stichprobe gezeigt werden, dass die Auftrittshäufigkeit eines ungünstigen sozialen Vergleichs verschwindend gering war. Zudem konnte eine klare selektive Präferenz für temporale Vergleichsinformation nachgewiesen werden. Die Ergebnisse werden mit Blick auf die Bedeutsamkeit von Vergleichsprozessen für die Befindlichkeitsregulation im Alter diskutiert.

Schlüsselwörter:

soziale und temporale Vergleichsprozesse, Selbstkonzept, hohes Erwachsenenalter

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 30-43 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

The article addresses the role of social and temporal comparison processes in old age. A sample of N = 352 subjects (age range: 65 to 94 years) was asked to make self-evaluations on three dimensions under a social and temporal comparison perspective. In addition, using a forced-choice paradigm, preferences for social vs. temporal comparison information were assessed. Self-evaluations in comparison to others proved to be much more favorable (downward comparisons) than self-evaluations under a temporal-comparative focus. However, a distributional analysis indicated that, in general, unfavorable self-evaluations under a temporal focus were accompanied (or compensated for) by favorable self-evaluations in comparison to others. Moreover, an overwhelmingly clear preference for temporal comparison information was observed. Results are discussed with regard to the presumed dynamic interplay of social and temporal comparison processes in the regulation of subjective well-being in old age.

Key words:

social and temporal comparison processes, self-concept, old age

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 30-43 © Verlag Hans Huber, Bern


Die Selbstdefinition im hohen Alter
Self-definition in old age

Alexandra M. Freund & Jacqui Smith

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Humanentwicklung, Berlin

(Summary)

Zusammenfassung

Die Selbstdefinition alter und sehr alter Menschen (70 - 103 Jahre, M = 84,9) wurde an einer heterogenen Stichprobe von N = 516 Teilnehmern der Berliner Altersstudie (BASE) untersucht. Die Untersuchung der Selbstdefinition im hohen Alter bietet einen Zugang zu den für diese Altersgruppe wichtigen Themen und Prozessen der Auseinandersetzung eines Individuums mit sich selbst und seiner sozialen sowie physikalischen Umwelt. Der Inhalt der Selbstdefinition zeichnete ein aktivitätsbetontes, gegenwartsbezogenes Bild alter Menschen, die sich jedoch auch nach innen wenden und Rückschau auf das eigene Leben halten. Erwartungsgemäß stellt die Gesundheit ein wichtiges Thema für diese Altergruppe dar. Obwohl auch im sehr hohen Alter die positiv bewerteten Aussagen die negativen Bewertungen überwogen, war dieses Verhältnis bei den über 85jährigen weniger günstig als bei den 70- bis 85jährigen. Der Facettenreichtum der Selbstdefinition nahm mit dem Alter ab; dieser Zusammenhang war jedoch vornehmlich auf körperliche und sensorische Einschränkungen zurückzuführen. Eine hohe Anzahl an selbstdefinierenden Bereichen und eine hohe Reichhaltigkeit der Selbstdefinition hing mit positivem emotionalem Wohlbefinden zusammen, konnte das emotionale Wohlbefinden jedoch nicht gegenüber körperlichen und sensorischen Einschränkungen schützen.

Schlüsselwörter:

Selbstdefinition, Entwicklung im hohen Alter

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 44-59 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

Characteristics of the self-definition were investigated in a heterogeneous sample of N = 516 participants of the Berlin Aging Study (BASE, age-range: 70103 years, M = 84,9). The investigation of the self-definitions of older adults provides insights into the salient life themes and processes of their "person-environment interaction". An analysis of the content of the self-definition revealed that old and very old individuals defined themselves as active and present-oriented. At the same time the content of their self-definitions reflected an inward orientation and a central theme of life-review. As expected, health proved to be one of the most important life issues. Although even the very old produced more positive than negative evaluations in their self-definition, the ratio of positive to negative evaluations was less favorable for the 85 to 103 year olds when compared to the 70 to 85 year olds. The multifacetness of the self-definition appears to decrease in very old age as a function of health-related constraints. Positive emotional well-being was associated with having more self-defining domains and a richer description of these domains. Multifacetness of the self-definition, however, did not buffer against the negative effect of diminished functional capacity on positive emotional well-being.

Key words:

self-definition, development in old age

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 44-59 © Verlag Hans Huber, Bern


Zur Entwicklung des geschlechtsrollenbezogenen Selbstkonzepts: Der Einfluss "maskuliner" und "femininer Tätigkeiten" auf die Selbstbeschreibung mit instrumentellen und expressiven Personeigenschaften
The development of self-concept about gender: The influence of "typically masculine" and "typically feminine" activities on the self-ascription of instrumental and expressive personality traits

Bettina Hannover

Technische Universität Berlin

(Summary)

Zusammenfassung

Mädchen und Frauen schreiben sich selbst mehr expressive Personeigenschaften zu als Jungen und Männer, die ihrerseits mehr instrumentelle Personeigenschaften für selbstbeschreibend halten. Gegenstand der vorliegenden Studie ist der Mechanismus, der der Entwicklung dieses Geschlechtsunterschieds zugrundeliegt. Es wird angenommen, dass; im Selbstkonzept enthaltene mentale Repräsentationen eigener expressiver Personeigenschaften situational durch Tätigkeiten, die als "typisch feminin" gelten, Repräsentationen instrumenteller Eigenschaften hingegen durch "maskuline Tätigkeiten" aktiviert werden, wobei mit jeder Aktivierung die entsprechende Wissensrepräsentation chronisch zugänglicher wird. Um diese Annahmen zu prüfen, wurden Mädchen und Jungen entweder zu einer "femininen" (Babypuppe wickeln) oder aber zu einer "maskulinen Tätigkeit" (Nägel einschlagen) aufgefordert und im Anschluß gebeten, sich selbst durch möglichst schnelles Bedienen einer "Ja"- oder "Nein"-Taste anhand von expressiven und instrumentellen Eigenschaftsbegriffen zu beschreiben. Die Ergebnisse zeigen, dass relativ zu einer Kontrollgruppe, in der sich Mädchen expressive Eigenschaften häufiger und schneller sowie instrumentelle seltener und langsamer zuschrieben als Jungen, Mädchen und Jungen nach der "femininen Tätigkeit" expressive und nach der "maskulinen Tätigkeit" instrumentelle Eigenschaften häufiger und schneller als selbstbeschreibend beurteilten. Die Befunde werden als Hinweis darauf gewertet, dass sich im Entwicklungsverlauf chronische Unterschiede im geschlechtsrollenbezogenen Selbstkonzept weiblicher und männlicher Personen etablieren, weil Mädchen und Frauen häufiger zu "femininen", Jungen und Männer hingegen häufiger zu "maskulinen Tätigkeiten" angeregt werden.

Schlüsselwörter:

Selbstkonzept, Geschlechtsrollen, Wissensaktivierung

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 60-75 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

When describing themselves, females endorse expressive personality traits more frequently than males. Males, in contrast, consider relatively more instrumental traits as self-descriptive. The present investigation focusses on the mechanism by which this sex difference emerges across the course of development. Specifically, it is hypothesized that self-related knowledge referring to expressive or to instrumental traits becomes situa- tionally activated when the person behaves in a "typically feminine"; or "typically masculine" manner, and that this knowledge will be subsequently more accessible. To test this assumption, girls and boys were asked to perform either a "typically feminine" or a "typically masculine" activity, i.e., changing a doll baby's diaper or pounding large nails into a piece of wood. When no such activity was required, girls described themselves using more expressive and fewer instrumental traits than boys. Also, as compared to boys, girls required shorter processing times for "me" or "not me" judgments to expressive traits but responded slower to instrumental ones. However, girls and boys who performed the "feminine activity" endorsed more expressive traits and processed them faster than same-sex members of the no-activity control group. Moreover, girls and boys who performed the "masculine activity" accepted instrumental traits more frequently and responded faster to them than same-sex control group members. These results are consistent with the assumption that across the life span, chronic sex differences in the self-concept about gender are formed as females are more frequently encouraged to engage in "typically feminine" activities and males to act in a "typically masculine" manner.

Key words:

self-concept, gender-roles, knowledge activation

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 60-75 © Verlag Hans Huber, Bern


Das phantasierte Selbst und seine Bedeutung für die Entwicklung über die Lebensspanne
The fantasized self and life-span development

Gabriele Oettingen

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

(Summary)

Zusammenfassung

Die Theorie des Zukunftsdenkens (Oettingen, 1997) unterscheidet zwei Formen zukunftbezogenen Denkens: Erwartungsurteile und spontane Phantasien. Während Erwartungsurteile die persönliche Geschichte reflektieren, sind spontane Zukunftsphantasien frei von den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen. Der erste Teil des vorliegenden Artikels diskutiert die motivationale Bedeutung des Zusammenwirkens dieser beiden Formen des Zukunftsdenkens anhand eines Experiments zum Thema phantasiertes Selbst und Lebensplanung. Die mentale Kontrastierung des positiv phantasierten Selbst mit negativen Aspekten der respektiven Realität führt dazu, dass das erwartete Selbst seine Wirksamkeit entfaltet. Vor dem Hintergrund eines Meta-Modells zur erfolgreichen Entwicklung über die Lebensspanne, dem Modell der selektiven Optimierung mit Kompensation (P. Baltes & M. Baltes, 1989), wird im zweiten Teil des Artikels die entwicklungspsychologische Bedeutung der mentalen Kontrastierung des phantasierten Selbst besprochen, wobei auf Prozesse der Selektion, Optimierung und Kompensation im einzelnen eingegangen wird. Abschließend wird analysiert, wie kontextuelle Faktoren (z.B. biologische, sozio-kulturelle und nicht-normative) den Inhalt von selbstbezogenen Zukunftsphantasien und die Höhe von Erfolgserwartungen beeinflussen und darüber vermittelt auf die drei Prozesse des erfolgreichen Alterns einwirken können.

Schlüsselworter:

Zukunftsdenken, Phantasie, Erwartung, Handlung, Entwicklung über die Lebensspanne, Optimismus, Selbst

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 76-91 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

Two ways of thinking about the future are distinguished: expectancy judgments and spontaneous fantasies (Oettingen, 1997). While expectancy judgments reflect a person's personal history, spontaneous fantasies are free from past experience. In the first part of the article, an experiment on the fantasized self and life planning is presented which investigates how expectations and fantasies concur in affecting motivation and action. The mental contrasting of the positively fantasized future self with negative aspects of the present reality makes the expected self guide a person's action. Referring to a meta-model of successful development over the life span, the model of selective optimization with compensation (P. Baltes & M. Baltes, 1990), the article then discusses the developmental implications of the mental contrasting, whereby the three processes of selection, optimization, and compensation are analysed in detail. Finally, it is asked, how contextual (e.g., biological, socio-cultural, and non-normative) factors influence the content of self-related fantasies and expectations and thereby determine the three processes of successful aging.

Key words:

thinking about the future, fantasy, expectation, action, life-span development, optimism, self

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 76-91 © Verlag Hans Huber, Bern


Interpersonelle Aspekte des Selbstwertgefühles: Die Beschreibung der eigenen Person im sozialen Kontext
Interpersonal aspects of self-esteem: Presenting the self in social context.

Astrid Schütz

Universität Bamberg

(Summary)

Zusammenfassung

In vier Studien wurde mit Hilfe von Fragebogen und der autobiographischen Methode untersucht, wie sich die Selbstdarstellung von Personen mit hohem von solchen mit niedrigem Selbstwertgefühl unterscheidet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Selbstdarstellung von Personen mit hohem Selbstwertgefühl durch relativ geringes Eingeständnis von Schwächen oder Fehlern, positive Selbstdarstellung und Rechtfertigung ihres Verhaltens gekennzeichnet ist. Betonung eigener Kompetenzen, kritische Bewertung Dritter und Tendenz zu aggressiver Aufwertung der eigenen Person im Vergleich zu Bezugspersonen sind weitere Merkmale dieser Personengruppe. Die Selbstdarstellung von Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl dagegen ist durch das Eingeständnis von Fehlern, selbstzugeschriebene Schwächen wie Stimmungsschwankungen, Betonung sozialer Orientierung und Altruismus gekennzeichnet. Die Frage der Sozialverträglichkeit des mit hohem Selbstwertgefühl verbundenen Stiles wird diskutiert.

Schlüsselwörter:

Selbstkonzept, Selbstwertgefühl, Selbstdarstellung, soziale Interaktion, autobiographische Methode

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 92-108 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

We conducted four studies based on questionnaires and the autobiographical method in order to compare the self-presentation of people with high vs. low self-esteem. Results show that high self-esteem subjects admit fewer flaws, present themselves positively and justify their behavior. They also emphasize their competencies, are critical in evaluating others and tend to compare themselves positively to significant others. Low self-esteem subjects admit wrongdoing more readily and emphasize social orientation and altruism. Interpersonal consequences of the two self-presentational styles are discussed.

Key words:

self-concept, self-esteem, self-presentation, social interaction, autobiographical

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 92-108 © Verlag Hans Huber, Bern


Alternsstereotype im frühen und höheren Erwachsenenalter: Analyse akkommodativer Veränderungen anhand einer Satzpriming-Technik
Age stereotypes in early and late adulthood: Analyses of accommodative shifts with a sentence-priming task

Dirk Wentura, Darja Dräger & Jochen Brandtstädter

Westfälische Wilhelms-Universität Münster und Universität Trier

(Summary)

Zusammenfassung

In zwei experimentellen Studien sollte geprüft werden, ob einem negativen Alternsstereotyp jüngerer Personen ein positiveres Alternsbild älterer Menschen gegenübersteht. Diese Annahme wird aus bewältigungstheoretischen überlegungen eines entlastend-akkommodativen Selbstbildschutzes abgeleitet. Zur Untersuchung wird eine Satzpriming-Technik genutzt, bei der auf die Darbietung von Aussagen über ältere (z.B. "Martha K. (74) sass auf der Parkbank") und jüngere ("Monika S. (23) sass ...") Personen entsprechende negative oder positive Begriffe (z.B. "einsam") folgten. Deren Verfügbarkeit wurde über die Reaktionszeit (in einer lexikalischen Entscheidungsaufgabe) erfasst. In Experiment 1 mit 84 Probanden im Alter von 59 bis 83 Jahren (ältere Stichprobe) bzw. 20 bis 31 Jahren (jüngere Stichprobe) zeigte sich in den Reaktionszeiten auf neutrale Materialien für beide Gruppen und beide Geschlechter ein Referenzprimingeffekt. Für stereotypbezogene Begriffe fand sich ein Negativ-Stereotypeffekt lediglich bei den jungen Männern; bei den älteren Personen zeigte sich darüber hinaus ein Positiv-Stereotypeffekt für Personen mit einer Disposition zu entlastend-akkommodativen Umdeutungen negativer Lebenssituationen. Da sich bei den jungen Frauen eine Abhängigkeit des erwartungsdiskrepanten Effektes von der (selbstbestimmten) Lesedauer der Primesätze andeutete, wurden in Experiment 2 (N = 39, Alter: 19-34 Jahre) die Sätze mit einer festgelegten, kurzen Präsentationszeit dargeboten. Hier zeigte sich sowohl für Männer als auch Frauen ein Priming-Effekt im Sinne eines negativen Alternsstereotyps. Diese Ergebnisstruktur wird im Rahmen der Unterscheidung von automatischen vs. kontrollierten Prozessen diskutiert.

Schlüsselwörter:

Einstellungen zum Altern, sematisches Priming, Selbstkonzept, Altern, Entwicklung im Erwachsenenalter

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 109-128 © Verlag Hans Huber, Bern

Summary

Two experimental studies were designed to test if old people share a more positive view of aging than the negative aging stereotype held by younger people. This hypothesis was generated from coping-theoretical considerations of an accommodative protection of the self-concept. A sentence-priming-technique was applied, in which situationally specified statements about older (e.g. "Martha K. (74) was sitting on a park-bench.") and younger ("Monika S. (23) was sitting...") persons were presented, followed by the corresponding negative or positive concept-word (e.g. "lonely"). The accessibility of concepts was measured by reaction times in a lexical decision task. In Experiment 1, including 84 subjects consisting of an older sample (59-83 years) and a younger sample (20-31 years), a clear reference priming-effect for the neutral materials across age groups and sex emerged. For the concepts relating to stereotypes, the expected negative-stereotype-effect in the younger sample was only found for the men. In the older sample a positive-stereotype-effect could be demonstrated for persons with a dispositional tendency to reinterpret negative life-experiences in a relieving accommodative fashion. In the sample of the younger women, there was a hint for a dependency of the expectation-discrepant effect and the reading-times (that could individually be terminated) of the prime-sentences. Therefore in Experiment 2, the presentation of the prime-sentences was rather short with a fixed reading time. The expected priming-effect of a negative aging stereotype could be demonstrated for both sexes. The results will be discussed within the framework of automatic vs. controlled processes.

Key words:

attitudes towards aging, semantic priming, self- concept, aging, adult development

Zeitschrift für Sozialpsychologie Band 28, 1997, Heft 1/2, Seite 109-128 © Verlag Hans Huber, Bern


wwwadmin@HansHuber.com, 2. Juli 1997