Zusammenfassung
Es wird angenommen, daß sich die Gruppen der Ostdeutschen relativ zu den Westdeutschen derzeit im Hinblick auf viele Vergleichsdimensionen negativ bewertet, so daß ein Zustand einer «negativen sozialen Identität» besteht. In der Wahl alternativer sozialer Vergleiche kann für Ostdeutsche eine Möglichkeit gesehen werden, die negative Identität auszugleichen. In zwei Untersuchungen (Interview- und Fragebogenstudie) wird diese Annahme bestätigt: Die Variation des Vergleichssubjekts (eigene Person oder Gruppe) und des Vergleichsobjekts (statusniedrigere Person oder Gruppe) ist verbunden mit Aussagen über eine allgemeine positive Befindlichkeit. Ein Wechsel der Vergleichsdimension - vom materiellen zum sozialen Bereich - wird in den Fragebogendaten deutlich. Insgesamt unterstützen die Befunde die Annahme, daß soziale Vergleiche zur Verbesserung der sozialen Identität eingesetzt werden.
Schlüsselwörter:
Intergruppenforschung - Theorie der sozialen Identität - soziale Vergleiche
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 259 - 277, © Verlag Hans Huber, Bern
It is assumed that, at present, East-Germans regard themselves as a group, which is relative to the West-Germans in an inferior position with respect to several important comparison dimensions and that they are experiencing a «negative social identity». The choice of alternative social comparisons is seen as a means to improve one's own negative identity. Two studies are presented (one interview and one questionnaire study) which support this line of argumentation: The variation of subject of comparison (individual vs. group) and object of comparison (low-status persons or groups) allows positive statements of life-satisfaction. A self-enhancing change of comparison dimension - from «material» to «social» issues - can be observed in the questionnaire data. In general, the findings support the assumption, that social comparison processes are employed in order to improve social identitiy.
Key words:
Intergroup behaviour - Social Identity Theory - Social comparisons
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 259 - 277, © Verlag Hans Huber, Bern
Zusammenfassung
Von der Theorie der Sozialen Identität ausgehend, wurden intergruppale Einstellungen deutscher Heranwachsender nach der Wiedervereinigung analysiert. Der Gesamtstichprobe einer Schülerbefragung (N = 8500), an der 1992 Schüler der 9. und 12. Klassenstufen sowie 1994 Schüler der 9. Klassenstufen aus den alten und neuen Bundesländern teilnahmen, wurden sechs nach Geschlecht und Schulform ausbalancierte Stichproben (jede: N = 360) entnommen. Die Schüler beurteilten subjektiv Leistungen der früheren BRD im Vergleich zu Leistungen der ehemaligen DDR. In allen sechs Stichproben wurde eine Favorisierung des jeweils «eigenen» Herkunftslandes festgestellt.
Schlüsselwörter:
Favorisierung - Ost- und Westdeutschland - Jugendliche - soziale Identität
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 278 - 282, © Verlag Hans Huber, Bern
On the background of the Social Identity Theory, the intergroup attitudes of German adolescents after the Reunification were analysed. Six samples of the same proportions of both sex and school form (each N = 360) were randomly drawn from an original sample of 8500 participants of an inquiry in both Western and Eastern Germany. In 1992 the 9th and 12th grades were investigated whereas in 1994 the 9th grades participated. The pupils rated achievements of the former Federal Republic of Germany compared with achievements of the Ex-German Democratic Republic. Preferential judgments for the country of one's descent were found in each of the six samples in both East and West Germany.
Key words:
ingroup-bias - East- and West-Germany - adolescents - social identity
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 278 - 282, © Verlag Hans Huber, Bern
Zusammenfassung
In der Attributionsforschung werden immer wieder die Erwartungswidrigkeit und/oder die Negativität von Ereignissen als auslösende Bedingungen von Ursachenzuschreibungen genannt. Man kann annehmen, daß die Unterschiedlichkeit in den Ergebnissen entsprechender Arbeiten z.T. durch die Art des experimentellen Settings bedingt ist. In der vorliegenden Studie wurden daher die Antezedenzien kausaler Zuschreibungen nach einer realen und einer szenarischen Leistungssituation verglichen. Teilnehmer/-innen waren N = 152 Studenten/-innen. Die Erwartung (hohe vs. niedrige Erfolgserwartung) und das Ergebnis (Erfolg vs. Mißerfolg) wurden unabhängig voneinander manipuliert. Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse wurden spontane Attributionen der Probanden erfaßt. Es zeigte sich vor allem in der realen Leistungssituation der Effekt häufigerer Ursachenzuschreibungen nach Mißerfolgen. Erwartungseffekte traten dagegen nicht auf. Die Notwendigkeit von realen Leistungssituationen für die Erforschung von Attributionen wird diskutiert.
Schlüsselwörter:
Spontane Attributionen -Antezedenzien von Attributionen
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 283 - 289, © Verlag Hans Huber, Bern
Past research on spontaneous attributions has often considered unexpected and negative events as antecedents of causal thinking. It is to suggest that differences in the results of empirical studies are prompted by different experimental conditions. Therefore, we carried out a study in which we compared the number of causal attributions after a real achievement task with attributions evoked by a scenario. A total of n = 152 subjects were administered a real achievement task and a most similar scenario. Expectancy (high vs. low expectancy of success) and outcome (success vs. failure) were independently manipulated. Results show that failure primarily triggers spontaneous attributions. Compared to the scenario, the amount of failure attributions increased after working on the real task. There was no impact of expectancy at all. The necessity of natural achievement situations for investigating attributions is to be discussed.
Key words:
Spontaneous Attributions - Antecedents of Attributions
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 283 - 289, © Verlag Hans Huber, Bern
Zusammenfassung
Die Konstruktion und Validierung einer deutschen Version der Skala zur Messung der Umwelteinstellung von Thompson & Barton (1994) wird dargestellt und diskutiert. Der Fragebogen besteht aus den drei Skalen ökozentrische und anthropozentrische Umwelteinstellung sowie der Umweltapathie. Zwei Motive, die Umwelt zu schützen, werden dabei unterschieden: Ökozentrische Motive, die Natur wird ihrer selbst wegen als wertvoll und erhaltenswert betrachtet, und anthropozentrische Motive, die Natur wird als schützenswert angesehen, weil diese für den Menschen von Nutzen ist. Validitätshinweise für die Skalen ergeben sich aus den Beziehungen zur Mitgliedschaft in Umweltschutzorganisationen. Daten wurden an einer Stichprobe von 891 Studierenden erhoben.
Schlüsselwörter:
Fragebogen - Umwelteinstellungen - Werte - Ethik
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 290 - 294, © Verlag Hans Huber, Bern
The present article describes a German version of a questionnaire by Thompson & Barton (1994), which measures attitudes towards the environment. Three scales measure ecocentrism, anthropocentrism and apathy towards environmental issues. Ecocentric individuals protect nature because of its intrinsic value. Anthropocentric individuals protect nature, because of its benefits for humans. Membership in environmental organizations correlated with the scores on attitudes towards the environment, suggesting the validity of the questionnaire. 891 students filled out the questionnaires.
Key words:
Questionnaire - environmental - attitudes - values - ethics
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 290 - 294, © Verlag Hans Huber, Bern
Zusammenfassung
In diesem Artikel wird der Einfluß des Konstrukts «Habitstärke» auf oft ausgeführte, alltägliche Verhaltensweisen theoretisch konzeptualisiert und empirisch getestet. Dabei soll das Konstrukt «Habitstärke» den Automatisierungsgrad des zielgerichteten kognitiven Prozesses erfassen, der die Ausführung alltäglicher Verhaltensweisen steuert. In Anlehnung an Bargh (1989) wird davon ausgegangen, daß bei oft ausgeführten Verhaltensweisen nicht nur die Verhaltensausführung selbst zunehmend automatisiert, sondern auch die Aktivierung der diesem Verhalten zugrunde liegenden intentionalen Strukturen. An Daten von 244 autobesitzenden Studierenden wird der Einfluß des Konstrukts «Habitstärke» auf die Nutzung des Verkehrsmittels Pkw bei alltäglichen ausgeführten Wegen zur Hochschule untersucht. In dieser Studie wird das Konstrukt «Habitstärke» nicht über die Variable «vergangene Verhaltenshäufigkeit» operationalisiert, sondern über ein von Verplanken et al. (1994) entwickeltes «script-based»-Habit-Maß. Die intentionale Struktur, die der Pkw-Nutzung zugrunde liegt, wird anhand von Ajzens «Theory of Planned Behavior» operationalisiert. Die Datenanalyse mittels hierarchischer linearer und logistischer Regression ergab folgende Ergebnisse: Auch bei Kontrolle der Intentionsvariablen übt das «script-based»-Habit-Maß einen signifikanten positiven Haupteffekt auf Verhalten aus. Der Interaktionseffekt von Intention und Habit ist ebenfalls signifikant, aber negativ. Weiter übt Habit auch nach Kontrolle der TPB-Variablen «Einstellung gegenüber dem Verhalten», «Norm» und «wahrgenommene Verhaltenskontrolle» einen signifikanten Haupteffekt auf die Intentionsvariable aus. Der Effekt des Interaktionsterms «Norm ¥ Habit» ist ebenfalls signifikant.
Schlüsselwörter:
Habit - Theorie des geplanten Verhaltens - Pkw-Nutzung
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 295 - 310, © Verlag Hans Huber, Bern
The present paper tries to derive theoretically the impact of habit-strength on repeated, everyday behavior. In accordance with Bargh (1989) it is assumed that «habit» represents a goal-directed type of automaticity through which not only the performance of repeated behavior itself is activated automatically, but the activation of the intentional structure, too. Data from 244 car-owning students are used to test the impact of habit-strength on the car use of these students in the context of visiting university lectures. In this study habit is not measured via past behavior frequency, but via a «script-based»-habit-measure developed by Verplanken et al. (1994). The intentional structure determining behavior are operationalized by the constructs of Ajzen's «Theory of Planned Behavior». The results of hierarchically conducted linear and logistic regression models are the following: After controlling the effect of intention habit exerts a significant main effect on behavior. The interaction effect of habit and intention on behavior is significant and negative. After controlling the effects of attitude toward the behavior, subjective norm and perceived behavioral control habit exerts a significant main effect on intention. The effect of the interaction «habit ¥ norm» is significant, too.
Key words:
habit - Theory of Planned Behavior - car use
Zeitschrift für Sozialpsychologie, Band 27, 1996, Heft 4, Seite 295 - 310, © Verlag Hans Huber, Bern