Universität Mannheim
Die Dreieckstheorie der Liebe von Sternberg (1986, 1987) stellt einen potentiell nützlichen Ansatz zur Integration von Forschungsbefunden im Phänomenbereich «Liebe» dar. Gegenstand der vorliegenden Untersuchung war die Frage, ob die theoretische Unterteilung in drei unabhängige Dimensionen («Intimität», «Leidenschaft», «Entscheidung/Bindung») empirisch gerechtfertigt ist. Fünfzig Pbn beurteilten im vollständigen Paarvergleich Beschreibungen von 14 Liebesbeziehungen auf deren Ähnlichkeit hin. Anschließend wurde jede Beziehung bezüglich ihrer Ausprägung auf den theoretisch erwarteten Dimensionen beurteilt (theoretisches Modell). Mit Hilfe einer Nonmetrischen Multidimensionalen Skalierung wurde ein empirisches Modell darüber gewonnen, welche Dimensionen Pbn von sich aus verwenden, wenn sie Liebesbeziehungen auf ihre Ähnlichkeit einschätzen. Es ergab sich eine überzufällig hohe globale Übereinstimmung zwischen dem empirischen Modell und dem dreieckstheoretischen Modell. Im einzelnen erwies sich hauptsächlich die Leidenschaft-Dimension als gut isolierbar. Festzuhalten bleibt, daß eine dimensionale Klassifikation grundsätzlich zur Systematisierung unterschiedlicher Paarbeziehungen geeignet ist.
Zeitschrift für Sozialpsychologie 26, 1995, Heft 2, S. 67-77 © Verlag Hans Huber, Bern
Potentially Triangular Theory of Love (Sternberg, 1986, 1987) is a useful framework for research in the domain of «love». The present study examines empirical correlates of the three theoretical dimensions «intimacy», «passion», and «decision/commitment». In a complete paired comparison paradigm 50 Ss made similarity judgments of 14 love relationships. Finally, each relationship was rated on each of the three theoretical dimensions. These ratings were used to classify the relationships in terms of Triangular Theory (theoretical model). Subjects' similarity judgments were modelled by means of a nonmetrical multidimensional scaling procedure (empirical model). The obtained empirical model correlates with the theoretical classification. Multiple regression analyses, however, revealed that only the passion dimension is easily interpretable. The remaining dimensions were both associated with intimacy and decision/commitment. Nevertheless, a dimensional approach to the study of love seems to be fruitful.
Zeitschrift für Sozialpsychologie 26, 1995, Heft 2, S. . 67-77 © Verlag Hans Huber, Bern
Universität Bern, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Der Artikel nimmt Bezug auf theoretische Vorarbeiten, in der die Dynamik von Gruppen aus der Sicht der Selbstorganisationstheorie und nichtlinearen Dynamik beleuchtet wird. Wir haben eine Reihe von empirischen Studien hierzu durchgeführt, um Hypothesen zu überprüfen, die aus der Theorie folgen. Daten wurden mit verschiedenen Methoden erhoben (SYMLOG, Selbst- und Fremdratings, Verhaltensbeobachtungen; physiologische Methoden) und zeitreihenanalytisch untersucht. In einer Seminargruppe konnte etwa mittels Zeitreihen von SYMLOG-Scores gezeigt werden, daß Phasenübergänge bei der Gruppenentwicklung auftreten; eine faktorenanalytische Studie von 12 Therapieprozessen weist eine signifikante Reduktion der Dimensionalität im Verlauf der Therapien (also im Verlauf der Entstehung von therapeutischen Beziehungen) auf; diese Phänomene sind vereinbar mit Vorhersagen der Synergetik. Weiterhin konnten stabile Phasen und Gleichgewichtszustände in mehreren Beispielen (z.B. in Paaren) als kausale Modelle abgebildet werden. Aus den Ergebnissen folgern wir, daß eine «dynamische Sozialpsychologie» (die etwa Positionen Kurt Lewins weiterentwickeln könnte) das Potential in sich trägt, die Erforschung der Zeitlichkeit sozialpsychologischer Sachverhalte zu fördern und Funktionen einer übergreifenden Metatheorie zu übernehmen.
Zeitschrift für Sozialpsychologie 26, 1995, Heft 2, S. . 78-91 © Verlag Hans Huber, Bern
Gruppendynamik, nichtlineare Systeme, Selbstorganisation, Soziophysiologie, Therapiesysteme
This paper refers to theoretical work, in which we discussed group dynamics from the point of view of self-organization theory and the theory of nonlinear systems. We present a number of empirical studies on group and dyadic dynamics, group development, and therapy process; in these we tested hypotheses that follow from dynamical theory. The processes were investigated using multiple methods (SYMLOG, self-monitoring and rating methods, observations of motor and physiological behavior). We applied several methods of time series analysis: thus, in a students' seminar group we found that SYMLOG scores undergo nonlinear phase transitions in the course of group evolution; a study of psychotherapy processes indicates a significant reduction of the degrees of freedom following self-organization of client-therapist dyads. Furthermore, stable homeostatic phases in several groups and couples could be mapped by causal models. These results are compatible with synergetics. We therefore follow that 'dynamical social psychology' (in continuation of Kurt Lewin's approach) may have the potential to help investigate temporal aspects of psychosocial topics and may serve as an integrative meta-theory in the field of social psychology.
keywords
group dynamics, nonlinear systems, self-organization, sociophysiology, therapy systems
Zeitschrift für Sozialpsychologie 26, 1995, Heft 2, S. . 78-91 © Verlag Hans Huber, Bern
Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, Universität Hamburg
Anknüpfend an Studien von Bales und Mitarbeitern über «Kanäle der Kommunikation» in Kleingruppen wird geprüft, ob dabei auftretende Muster der sozialen Interaktion auch bei der Kooperation zwischen Gruppen gelten. Betrachtet wird eine Planspielsituation, in der zwei Planungsteams gemeinsam den Flächennutzungsplan einer Stadt überarbeiten. Ausgehend von der Theorie der sozialen Identität werden zwei Kooperationssituationen mit hoher und geringer Ausprägung des Strebens nach positiver sozialer Identität hergestellt und deren Wirkungen auf die Interaktionsmuster untersucht. Die Interaktionen von acht Planspielen werden anhand von Videoaufzeichnungen Akt für Akt mit Hilfe des SYMLOG-Scoring-Verfahrens kodiert. Die Analyse der Interaktionsmuster basiert auf geordneten Wer-zu-wem-Matrizen, in denen festgehalten ist, wie oft sich jedes Gruppenmitglied an ein anderes oder die Gruppe als ganze wendet. Sender und Empfänger werden entsprechend der Anzahl gesendeter Akte in eine Rangreihe gebracht. Neben den insgesamt gesendeten Akten werden auch qualitative Aspekte der Interaktion auf Muster hin überprüft. Die Matrizen für freundliche und aufgabenorientierte Akte werden im Hinblick auf Rollendifferenzierungen untersucht. Die Intergruppen-Kooperation unterliegt wie die Kleingruppen Ordnungsmustern, denen die Rangfolge der Mitglieder hinsichtlich der Anzahl gesendeter Akte zugrunde liegt. Dies gilt sowohl für die insgesamt gesendeten Akte als auch für die qualitativen Aspekte der Interaktion. Bei hoher Ausprägung des Strebens nach positiver sozialer Identität sind die Interaktionen kontroverser und weniger geordnet. Die Rollendifferenzierung hingegen ist ausgeprägter.
Zeitschrift für Sozialpsychologie 26, 1995, Heft 2, S. . 92-106 © Verlag Hans Huber, Bern
Starting with the work of Bales et al. on «channels of communication» in small groups, this study is looking for similar interaction patterns in intergroup cooperation. The free simulation «Modell-Stadt» is used to establish cooperation between two planning teams in a complex decision making task. Derived from Social Identity Theory two types of cooperative situations with high and low striving for positive social identity are distinguished and studied in their effects on interaction patterns. The social interaction of eight planning sessions is coded act-by-act from video tape with the SYMLOG-scoring-method. The analysis of interaction patterns is based on ordered who-to-whom-matrices indicating how often each member is sending an act to another group member or to the group as a whole. Sender and receiver of the acts are rank ordered in the matrix according to the frequency of sended acts. The interaction patterns are not only analyzed for the frequency of all sended acts but also for qualitative aspects of interaction. Further the who-to-whom-matrices of friendly and task-oriented acts are analyzed for indicators of role differentiation. Intergroup cooperation is determined by similarly ordered interaction patterns as small group processes. The patterns are based on the ranking of the group members according to the sended acts. The results are both valid for the frequency of all sended acts and for the different qualitative aspects of interaction. Intergroup cooperation with strong striving for positive social identity is determined by a more controverse and less patterned interaction with tendencies towards role differentiation for friendly and task-orie.
Zeitschrift für Sozialpsychologie 26, 1995, Heft 2, S. . 92-106 © Verlag Hans Huber, Bern
Universität Mannheim
Eine der wesentlichen Veränderungen der prospect theory im Vergleich zu einfachen Entscheidungsmodellen wie der ökonomischen Nutzentheorie ist das framing von Entscheidungssituationen. In der vorliegenden Arbeit wird überprüft, inwieweit sich diese framing- Effekte auch unter ungleichen Erwartungswerten der einzelnen Handlungsalternativen replizieren lassen. Dazu wurde eine Replikation und Modifikation des «Asian disease problem» empirisch getestet. Dabei zeigt sich, daß auch dann stabile, wenn auch relativ kleine framing-Effekte vorliegen, wenn die Entscheidungssituation nicht mehr indifferent ist. Eine weitere Analyse deutet jedoch darauf hin, daß die vorhandenen framing-Effekte nicht unbedingt mit Hilfe der prospect theory zu erklären sind.
Zeitschrift für Sozialpsychologie 26, 1995, Heft 2, S. . 107-118 © Verlag Hans Huber, Bern
Summary
One of the major changes the prospect theory introduces in decision theories like the economic utility theory is the framing of decisions. This paper examines whether these framing effects can be replicated even if the expected value of the alternatives are not equal. For that purpose a replication and modification of the «Asian disease problem» was empirically tested. The analysis shows a stable, but slight framing effect even if the decision situation is no more indifferent. Further results also give a hint that the framing effects may not be explained by the processes claimed by the prospect theory.
Zeitschrift für Sozialpsychologie 26, 1995, Heft 2, S. . 107-118 © Verlag Hans Huber, Bern